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Erntedank heute - von Pastorin Gudrun Junge

|   News aus Tostedt

„Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich was mit Danksagung empfangen wird“, so steht es im Ersten Timotheusbrief im Neuen Testament in der Bibel. Dieser Vers, der auch Predigttext für Erntedank ist, birgt neben seiner Zusage und Bestätigung auch Fragen und Aufgaben. Was uns mit der Schöpfung gegeben ist: die Früchte der Erde, die Tiere, Wasser und Luft, mit Dankbarkeit zu betrachten. Das ist der Blickwinkel des Erntedanksonntags. Doch zugleich erinnert dieser Bibelvers auch an das, was nicht – mehr-  gut ist. Wie steht es um die Gerechtigkeit der Verteilung er Schöpfungsgaben, um die Wahrung der Menschenwürde, um den Umgang mit Nutztieren, um den Naturschutz. 

Bei uns arbeiten nur noch wenige Menschen in der Landwirtschaft, doch Nahrung haben wir im Überfluss, in anderen Ländern ist das umgekehrt. Viele Menschen arbeiten in der Landwirtschaft und trotzdem ist die Nahrung knapp. Krieg und Vertreibung, Klimawandel, teures Saatgut,  tragen unter anderem dazu bei, dass Ernten ausfallen oder zu knapp sind. Erntedank bewegt mich, wie dieses Ungleichgewicht wieder in die Balance zu bringen ist. Ich weiß, dass ich mit den günstigen Lebensmitteln, die ich hier einkaufe  auf Kosten anderer lebe. Der Kaffee zum Frühstück, Bananen als Zwischenmahlzeit, Reis zum Mittag, Tee am Nachmittag, und Weintrauben zum Käse. Diejenigen, die das ernten, können nicht von ihrer Hände Arbeit leben, dafür sind diese Produkte  hier einfach zu günstig. Da ist auch der Handel aus der Balance und dazu  erfolgt die Produktion dieser Lebensmittel oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. 

Was kann ich tun um dem angemessen zu begegnen, frage ich mich.  Ein Brauch der an Erntedank gepflegt wird, gibt mir da einen Hinweis. Die Gaben die auf dem Altar  dargebracht werden und mit denen die Kirche geschmückt ist – als Zeichen der Dankbarkeit für die (gute) Ernte, werden nach dem Erntedankfest weitergegeben an Bedürftige oder an die Tafel, an Einrichtungen vor Ort, die,  sich über diese Gaben freuen, weil sie zeigen, wir teilen mit ihnen. So kann ich das auch machen. Wenn ich dankbar auf das blicke, was ich geerntet habe und was mir gegeben wurde, dann kann ich davon abgeben und so meine Dankbarkeit mit anderen teilen, dass auch sie genug zum Leben haben mögen und die Ungleichgewicht bei  der  Verteilung der Schöpfungsgaben ein klein wenig wieder in die Balance kommt. Ich kann fair gehandelte Produkte kaufen sogar  im Supermarkt  oder im Weltladen. Ich kann Organisationen unterstützen, die sich darum kümmern Hunger und Armut  einzudämmen. ich kann mich politisch bilden und mich für die Rechte der Armen einsetzen, zum Beispiel bei Brot für die Welt. Ich kann auch Geld spenden, Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen. Es gibt also viele Möglichkeiten etwas zu tun, das Gottes gute Schöpfung allen Menschen zuteilwird. Damit gewinnt Gottes verändernde Kraft Gestalt, sie ist in uns Menschen wirksam und trägt Früchte. Das ist für mich Erntedank heute.

Pastorin Gudrun Junge

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