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In Verantwortung vor Gott

|   News aus Tostedt

Ein Beitrag von Rolf Adler zum "70. Geburtstag" des Grundgesetzes

70 Jahre wird unser Grundgesetz in diesem Jahr alt. Und ihm vorangestellt ist die Präambel. Dieses Vorwort lautet: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“

Der Gottesbezug in der Präambel ist in der Vergangenheit mehrfach kontrovers diskutiert worden. Wird damit nicht jeder Deutsche auf den christlichen Gott verpflichtet? Und verträgt sich das mit einer Verfassung, die Religions- und Gewissensfreiheit gewährleisten soll?

Das Grundgesetz wurde vom Parlamentarischen Rat in den Jahren 1948/49 unter dem Eindruck der Herrschaft der Nationalsozialisten ausgearbeitet. Dem Parlamentarischen Rat erschien es erforderlich, die Abkehr von totalitären Staatsformen hervorzuheben. Dies wird durch eine Bezugnahme auf etwas, das über dem Staat und den Menschen steht, erreicht. Der Begriff „Gott“ wird als Stellvertreter oder als Beispiel für diese übergeordnete Instanz verstanden. Zugleich soll der Gottesbezug betonen, dass die staatliche Ordnung von Menschen gemacht und daher für Fehler anfällig ist. Insgesamt soll die Begrenztheit menschlichen Tuns verdeutlicht werden. Aus dem Gottesbezug soll darüber hinaus aber keine Entscheidung für einen christlichen Staat und kein Staatsziel der Durchsetzung christlicher Lehren erfolgen. Wer also „GOTT“ sagt, wendet sich damit gegen einen staatlichen Totalitarismus. Man könnte auch sagen, der übt Demut. Insofern soll der Gottesbezug wichtig sein. Immer dann, wenn sich politische Mächte oder andere zivile oder militärische Gewalten selbst absolut setzen, relativiert sich solcher Anspruch an dem Symbol Gott. Für Christinnen und Christen heißt es darüber hinaus, dass dieser Gott zum verlässlichen Gegenüber eines jeden Menschen werden will, der nach ihm fragt. Die Demokratie wird befruchtet mit Gottes Geist. So heißt es beim Propheten Sacharja: „Das ist das Wort des Herrn: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“

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