Skip to main content

Geschichte unserer Kirchengemeinde

1200 Jahre Glaubensgeschichte am Ort

Wo heute das Gemeindehaus am Himmelsweg steht, stand einst die erste Kirche Tostedts — und sie gehört zu den ältesten Holzkirchen Norddeutschlands. Bei Grabungen im Jahr 1969 stießen Archäologen auf die Grundrisse von zwei hölzernen Kirchen, deren älteste auf die Zeit um 800 n. Chr. datiert werden konnte — in die Zeit also, in der Karl der Große die sächsischen Gebiete zwischen Weser und Elbe dem Christentum erschloss.

Damit reicht die christliche Geschichte an diesem Ort über 1200 Jahre zurück. Der Ort Tostedt selbst wurde 1105 als „Ozstide" erstmals urkundlich erwähnt und gehörte kirchlich zum Archidiakonat Hollenstedt der Diözese Verden.

Vom Holzbau zur Feldsteinkirche

Auf die ersten beiden Holzkirchen folgte im 11. Jahrhundert eine erste Steinkirche, die um 1300 durch einen größeren Feldsteinbau ersetzt wurde. Diese Kirche diente der Gemeinde fast 600 Jahre lang — bis sie 1880 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Der erste namentlich bekannte Pfarrer war Arnoldus, der 1262 als „plebanus in Tozstede" bezeugt ist.

Reformation und lutherische Gemeinde

Ende der 1520er Jahre wandte sich Tostedt der lutherischen Lehre zu. Die Gemeinde gehörte zur Herrschaft Harburg und damit zum Herrschaftsbereich Herzog Ottos I. von Braunschweig-Lüneburg, der den Celler Hofprediger Gottschalk Kruse mit der Neuordnung des Kirchenwesens beauftragte. Seit 1643 gilt in der Gemeinde die Lüneburger Kirchenordnung. Der erste namentlich bekannte lutherische Pastor war Daniel Aldag, belegt für die Jahre 1583 und 1588.

Die heutige Johanneskirche (1878–1880)

Als Tostedt durch den Bahnanschluss an die Strecke Hamburg–Bremen im Jahr 1874 einen starken Aufschwung erlebte, wurde die alte Feldsteinkirche zu klein. Der Kirchenvorstand unter Pastor Hermann Bockhorn beschloss 1875 einen Neubau. Mit der Planung wurde der hannoversche Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase betraut — einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister seiner Zeit.

Am 3. Dezember 1878 wurde das Richtfest gefeiert, und nur 15 Monate später, am 14. März 1880, konnte die neue neugotische Backstein-Kreuzbasilika mit 1.230 Sitzplätzen eingeweiht werden. Die Baukosten beliefen sich auf 120.000 Mark, die die Gemeinde zum allergrößten Teil selbst aufbrachte.

Aus dem Vorgängerbau wurden wertvolle Ausstattungsstücke übernommen: das bronzene Taufbecken von 1423, die Renaissance-Kanzel von 1608 (gestiftet von Johann Wilken von Weihe, Herr auf Gut Bötersheim) und Teile eines spätgotischen Flügelaltars aus der Zeit um 1490. Die Orgel wurde 1879 von Philipp Furtwängler & Söhne aus Elze erbaut.

Wachsen und Wandeln im 20. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Gemeindegliederzahl durch den Zuzug von Geflüchteten auf rund 9.000 im Jahr 1948 — zuvor waren es 1942 noch 5.250 gewesen. Die Gemeinde wuchs weiter: 1980 zählte das Kirchspiel knapp 10.930 Gemeindeglieder.

Die Gemeinde entwickelte ein vielfältiges diakonisches und gemeindliches Leben. Bereits 1911 übernahm ein Tostedter Pastor den Vorsitz im „Verein für die Herberge zur Heimat", aus dem der heutige Herbergsverein mit Altenheim und Diakoniestation hervorging. 1931 wurde eine Gemeindeschwesternstation eröffnet, die später in der Diakoniestation Tostedt aufging. 1970 entstand ein neues Gemeindehaus, 1971 ein evangelischer Kindergarten.

Seit April 1980 trägt die Kirche offiziell den Namen Johannes-der-Täufer-Kirche. Die Gemeinde heißt seither Ev.-luth. Johannes-der-Täufer-Kirchengemeinde Tostedt.

Ein Bauwerk, das Geschichten erzählt

Die Johanneskirche birgt über 600 Jahre Geschichte in sich: vom bronzenen Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert bis zur Furtwängler-Orgel von 1879, von der Renaissance-Kanzel bis zum modernen Osterleuchter von Tisa von der Schulenburg (1987). Die Kirche wurde mehrfach renoviert — zuletzt wurden 2016/2017 die Fenster erneuert. Auch heute noch ist die Gemeinde bestrebt, das Gebäude für die Zukunft zu bewahren.


Diese Seite wird fortlaufend ergänzt. Wir sammeln noch weiteres Material zur Geschichte unserer Kirchengemeinde — etwa zu den Pastoren, den Ortsteilen, den Friedhöfen und der Kirchenmusik. Wer historische Fotos, Dokumente oder Erinnerungen beisteuern kann, ist herzlich eingeladen, sich bei Pastor Wilko Burgwal zu melden.

Liste der Pastoren bis 1940

1583, 1588 Daniel Aldag
1608 Ludolf Egberti
1617–1622 Tobias Reimers
1615–1655 Johann Friedrich Reimers
1655–1679 Niclas Erdenberger
1679–1705 Hermann Camnann
1705–1718 August Ratje
17..–1723 Wilhelm Michael Müller
1723–1738 Joachim Peter Fasnauer
1738–1751 Alexander Deußel
1751–1756 Johann Friedrich Berckelmann
1756–1785 Heinrich Gottlieb Schmid
1785–1796 Friedrich Gottlieb Dithmer
1797–1810 Georg Friedrich Wilhelm Langelotz
1810–1843 Georg Heinrich Ziehen
1844–1875 Johann Peter Aiders
1875–1908 Johann Hermann Friedrich Bockhorn
1909–1930 Dietrich Bentlage
1931–1947 Heinrich Bernhard Thräde.

Angaben nach: Meyer, Philipp (Hrsg.): Die Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippes seit der Reformation. Im Auftrage des Landeskirchenamts Hannover namens der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte in Gemeinschaft mit zahlreichen Mitarbeitern, 1941 Göttingen).Bd. 2 = Kaarßen bis Zeven (1942)