Nico Lühmann

Nico Lühmann kommt ursprünglich aus Buxtehude. Studiert hat er in Hamburg und Münster, anschließend seine praktische Ausbildung („Vikariat“) in Osnabrück und Hannover gemacht und als Pastor bereits in verschiedenen Gemeinden am Dümmer und in Bramsche gearbeitet. Seit April 2022 gehört er mit einer halben Stelle zum Tostedter Kollegium und ist für den Gemeindebezirk südlich der Bahnline inklusive Schillingsbostel und Otter zuständig. Besonders wichtig ist ihm die persönliche Gestaltung von Kasualien (Taufen, Trauungen, Trauerfeiern) und das lebendige Feiern von Gottesdiensten.

Nico Lühmann, wie hält man einen guten Gottesdienst?

Gottesdienste soll man überhaupt nicht halten. Man soll sie feiern! Nur wenn ich selbst in Feierstimmung komme, kann es andere ansprechen. Das schlimmste, was passieren kann, ist, wenn ich alleine vorne stehe – und die Gemeinde sitzt da und schaut einfach nur zu. Deswegen bemühe ich mich, für jeden Gottesdienst ein passendes, ansprechendes Format zu finden. Meine größte Hoffnung dabei ist, dass man am Ende größer rausgeht, als man reingekommen ist.

Und eine gute Beerdigung?

Wenn es gelingt, die verstorbene Person noch einmal vor Augen zu sehen. Das ist wichtig, denn nur so ist es möglich, sich von ihr zu verabschieden. Dabei ist es gar nicht so schlimm, wenn zwischendurch mal geweint oder gelacht wird. Idealerweise passiert sogar beides.

Haben Sie einen liebsten Bibelspruch?

Der wechselt ständig. Eine Zeit lang war es „Wenn der Löwe brüllt, wer würde sich nicht fürchten? Und wenn der HERR geredet hat, wer würde nicht Prophet werden?“ (Amos 3,8), später „Jedem gab Gott seine eigene Gabe“ (1. Korinther 7,7). Inzwischen ist es „Besser ein Gericht Kraut mit Liebe bereitet, als ein gemästeter Ochse mit Hass“ (Sprüche 15,17). Ich glaube, im Zweifelsfall ist es besser, sich auf weniges zu beschränken, das dann dafür aber voller Liebe zu tun.

Wann haben Sie beschlossen, Pastor zu werden?

Als ich kurz hintereinander eine ganz schreckliche Hochzeit und eine furchtbar lieblose Beerdigung erlebt habe. Da habe ich mich total aufgeregt und mir gedacht: „Das könnte ja sogar ICH besser!“ Und weil ich finde, Meckern hilft nicht, habe ich beschlossen, es selber auszuprobieren. Dabei habe ich entdeckt, wie wichtig es mir ist, dass Menschen an den Übergängen ihres Lebens gut begleitet werden. Ob es mir immer gelingt, ist eine andere Frage. Aber ich gebe mir die größte Mühe.

Wie stellen Sie sich eine ideale Gemeinde vor?

Das Wort „Gemeinde“ hat in meinen Ohren ganz viel mit „gemeinsam“ zu tun. Eine ideale Gemeinde ist für mich deshalb eine „Gemeinde zum Mitmachen“. Menschen sollen Lust (und die Möglichkeit) verspüren, sich mit dem, was Ihnen wichtig ist, hier zu verwirklichen und ihre Gaben einzubringen. Das stärkt den Zusammenhalt, hilft organisatorisch, bringt großes KnowHow – und macht vor allem einfach Spaß!

Können Sie beschreiben, wo Ihnen Gott begegnet?

In der Liebe und im Mitgefühl. In den Klängen einer schweigenden Seele. Wenn sich plötzlich Dinge fügen, die eigentlich unmöglich sind. In der Rettung. In dem Segen, der auf allem liegt, was wächst oder gelingt. Und wenn in der Osternacht aus der Stille heraus mit vollem Register die Orgel einsetzt und „Christ ist erstanden“ spielt. Da bekomme ich jedesmal wieder eine Gänsehaut und spüre: Da geschieht etwas Großes, das über uns Menschen hinausgeht.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Ich lese gerne die Thriller von Robert Harris. Und immer mal wieder die „Harry Potter“-Bände von J.K. Rowling. Zu meinen Lieblingen gehören daneben „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind, außerdem „Momo“ von Michael Ende und „Pu der Bär“ von A.A. Milne (in der alten Übersetzung). Aber wenn es ein Buch gäbe, das heutzutage dringend alle lesen sollten, dann wäre es das politische Märchen „Der Ickabog“ von J.K. Rowling!

Würden Sie uns noch verraten, was Sie in Ihrer Freizeit tun?

Ich lese viel und gehe gern ins Kino. Vor allem koche ich sehr gerne! Das ist mein kreativer Ausgleich im Alltag. In den letzten Jahren habe ich außerdem das Wandern für mich entdeckt. Draußen in der Natur zu sein und den ganzen Tag lang einfach weiterzugehen, ist eine wundervolle und befreiende Erfahrung, die mir jedes Mal hilft, einen vollen Kopf auch wieder frei zu kriegen.