Ein ganz persönlicher Blick auf das Weihnachtsoratorium

Elke Böckenhauer, langjährige Sängerin in der Johanneskantorei, erzählt von ihren Begegnungen mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach:

„Mit 14 Jahren habe ich angefangen, in einem Chor zu singen. Es war ein kleiner Chor in einer kleinen Kirchengemeinde. Wir haben im Gottesdienst oft Choräle von Johann Sebastian Bach gesungen. Schon damals haben mich diese Choräle sehr berührt, besonders auch die aus seinem Weihnachtsoratorium. 

Der fragende Satz „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn’ ich dir?“ leitet für mich die Weihnachtszeit ein. Der ruhige, andächtige Choral „Schaut hin, dort liegt im finstern Stall“ bestätigt ergreifend die Geburt Christi. Und dann das freudige Singen „Wir singen dir in deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr“. Alle Emotionen, die für mich zu Weihnachten dazugehören, sind schon in diesen schlichten Chorsätzen enthalten. Aber um das ganze Oratorium aufzuführen, dafür war der Chor zu klein. 

Ich habe dieses tolle Werk schon mehrmals mitsingen dürfen

Als ich später zur Johanneskantorei nach Tostedt wechselte, wurde mein großer Wunsch, einmal das Weihnachtsoratorium mitzusingen, erfüllt. Unter der Leitung von Paul-Gerhard Schneider führten wir 1978 die Teile 1-3 des Werkes zum ersten Mal auf. Danach konnten wir unter seiner Leitung noch drei weitere Male diese schöne Musik singen. Nach seiner Pensionierung folgten weitere Konzerte unter der Leitung von Wiebke Corleis.

Besondere musikalische Momente für mich

Die Chöre in Begleitung eines großen Orchesters zu singen, begeisterte uns Sänger sehr. Schon der schlichte Choral „Ach mein herzliebes Jesulein“ bekommt mit den Trompetentönen zwischen den einzelnen Textzeilen einen ganz anderen Klang. Viel mehr Freude wird dadurch ausgedrückt, und wie festlich es mit einem Mal klingt. Und dann die großen Chorsätze mit Orchester: Welch ein Jubel schallt durch die ganze Kirche, wenn wir mit den Engeln gemeinsam singen „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“. 

Wir wurden aber auch begeisterte Zuhörer der wunderschönen Arien und Rezitativen, die von Solisten gesungen werden. Welch prachtvolle Musik ist die Teilen des Weihnachtsoratoriums von Bass-Arie „Großer Herr und starker König, liebster Heiland, o wie wenig achtest du der Erden Pracht“. Und wenn es nun am 8. Dezember unter der Leitung von Kai Schöneweiß mit Pauken und Trompeten und „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ beginnt, werde ich sicher wieder eine Gänsehaut bekommen." 

Infos zum Konzert

Haben auch Sie jetzt Lust bekommen, diese Musik mit uns gemeinsam zu erleben? Dann lassen Sie sich einladen zum Konzert am 8. Dezember um 19.00 Uhr in der Johanneskirche. Eintrittskarten gibt es noch im Vorverkauf bei Buch und Lesen (Unter den Linden 16) zum Preis von 20,-€, 15,-€, 10,-€ und 5,-€ sowie Restkarten an der Abendkasse. 

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach

Ein Text von Kai Schöneweiß

Seit August probe ich mit der Johanneskantorei nun schon und am 8. Dezember ist es endlich soweit: Um 19 Uhr beginnt das Konzert mit dem Weihnachsoratorium von Johann Sebastian Bach. Eintrittskarten zum Preis von 20|15|10|5 € können Sie bei Buch und Lesen (Unter den Linden 16) in Tostedt kaufen.

Das Weihnachtsoratorium gehört zu Weihnachten dazu

Festliche Klänge mit Pauken und Trompeten und dann der ganze Chor gemeinsam singend „Jauchzet, frohlocket“ – so beginnt das großartige Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Für viele Menschen gehört diese Musik einfach zum Weihnachtsfest dazu.

So geht es mir natürlich auch. Egal ob ich die Klänge im Konzert als Mitsänger oder als Zuhörer genießen kann die Musik lässt einen danach erstmal nicht wieder los. Es gibt so viele tolle „Gänsehautstücke“ – ich kann mich nie für einen Ohrwurm entscheiden, sondern habe danach immer eine handvoll.  

Meine bisherigen Begegnungen mit der Musik

Schon in der Schulzeit bin ich mit dem Werk in Berührung gekommen. Als ich dann mein Kirchenmusikstudium aufgenommen habe, gab es immer wieder einzelne Aspekte aus dem Weihnachsoratorium, die mich beschäftigten: im Orchesterleitungssunterricht, wenn man ein Rezitativ und eine Arie dirigieren muss; in der musikalischen Analyse, wenn man die Chorsätze analysiert; im Chorleitungsunterricht, wenn man mit der Gruppe etwas proben darf; oder im Gesangunterricht, wenn man sich selber an einer Arie versucht – es gibt viele Berührungspunkte.

So hat sich bei mir die Lust gesteigert, das Werk endlich mal im Zusammenhang zu musizieren.

Aus der Kantoreiprobe

Seit August proben wir nun in der Johanneskantorei jeden Dienstag etwas aus dem Weihnachtsoratorium. Und als ich vor der Sommerpause ankündigte, dass wir uns dieses Jahr noch mit diesem Werk beschäftigen werden, habe ich viele leuchtende Augen gesehen. Und es macht einfach Freude, wenn ich wöchentlich bei den vielen Chorstücken, die das Werk zu bieten hat, in leuchtende Augen schauen kann. Und genau wie mir, geht es auch den Sängerinnen und Sängern: das eine Stück liegt einem mehr am Herzen das andere etwas weniger. So kann bestimmt jeder der Mitwirkenden seine persönlichen Highlights nennen.

Meine persönlichen Highlights

Natürlich gehört „Jauchzet, frohlocket“ der erste Satz des Oratoriums zu meinen Lieblingsstücken: Besonders die Stelle „Lasset das Zagen, verbannet die Klage“ – hier hört man richtig das freudige Lachen über die Geburt Christi.

Von den kleineren Chorstücken gefällt mir der Choral „Brich an, o schönes Morgenlicht“ ganz besonders. Dieser kommt nachdem der Evangelist (der „Erzähler“) von der Erscheinung des Engels bei den Hirten auf den Feldern vor Bethlehem erzählt. Der folgende Choral kommentiert das Geschehen mit grandioser Musik – so schlicht und doch zu vielsagend.

Bei den Arien, also den Stücken der Solisten, berührt mich immer wieder aufs Neue die Arie am Ende des dritten Teils. Die Altistin, die als Stimme von Maria interpretiert werden kann, singt von der Geburt Christi: „Schließe (...) dies selige Wunder, fest in deinem Glauben ein! Lasse dies Wunder (...) immer zur Stärke (...) sein.“ Bach vertont diesen Text sehr schwingend. Ich habe vor Augen, wie Maria ihr Kind wiegt. Diesen intimen Charakter verstärkt die kleine Besetzung: nur Solovioline, Cello und Orgel begleiten die Solistin.

Für mich sind es oft die leisen Stellen, die die Musik besonders machen. Lassen Sie sich einladen und entdecken Sie ihre Lieblingsstelle bei unserm Konzert am 8. Dezember! 

Ein persönlicher Blick von unserm Kantor Kai Schöneweiß auf Bachs Weihnachtsoratorium